SCHUMANN-PROJEKT

Das Hyperion-Trio stellt in Zusammenarbeit mit dem Robert-und-Clara-Schumann-Verein Leipzig ein Projekt vor, bei dem das kammermusikalische Schaffen Robert Schumanns in den Kontext seines persönlichen und musikhistorischen Umfelds gestellt werden soll. Dies wird exemplarisch am Werk für Klaviertrio aufgezeigt.
Es entsteht dabei ein allgemein romantisches Zeitbild. Zugleich tritt die Besonderheit Robert Schumanns deutlich zutage: seine persönlich geprägte romantische Ideenwelt, die in engem Zusammenhang mit den gedanklichen Strömungen der Zeit steht und in seiner unverwechselbaren Tonsprache Ausdruck findet, die mal empfindsam poetisch, dann wieder abrupt und kraftvoll sein kann.

In einer Serie von vier Konzertprogrammen werden die drei Klaviertrios Robert Schumanns sowie die Fantasiestücke op.88 Werken von Clara Schumann, Johannes Brahms, Franz Liszt, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Franz Schubert gegenübergestellt. Die Werke dieses Zyklus´ sind für die Firma Thorofon auf vier CDs aufgenommen worden und erscheinen im Mai/ Juni 2006.

Clara Schumann, Gattin Robert Schumanns und bedeutende Interpretin seiner Werke, behauptet in ihrem kompositorischen Schaffen trotz der Nähe zu Robert Schumann Eigenständigkeit. Ihr Werk zeichnet sich durch lyrische Tonsprache, harmonisch ausgewogene Form und bewußt gewählte Einfachheit aus. Das Klaviertrio ist ihre erste und bedeutendste Komposition für eine Kammerbesetzung und ist noch vor den Klaviertrios ihres Mannes entstanden.
Johannes Brahms, der noch jugendliche hochgeschätzte Freund der Familie, steht in intensivem künstlerischen Austausch zu Robert Schumann. Er stellt den Hauptvertreter einer der zwei gegensätzlichen kompositorischen Strömungen dar, die sich zu dieser Zeit im deutschen Raum parallel behaupten und bekämpfen. Brahms steht für die Traditionalisten oder Formalisten, während mit Franz Liszt - von Robert Schumann vor allem als Klaviervirtuose erlebt und bewundert - der berühmteste Vertreter und Begründer der Neudeutschen Schule zu Gehör kommt.
Zu dem neuartigen Umgang mit der musikalischen Form, dem Einsatz von Monothematik, Variationsprinzip und Sequenztechnik, eignet sich die von Liszt häufig verwendete Form der symphonischen Dichtung oder Tondichtung. Literarisches Material wird gerne hinzugezogen.
So weist das Klaviertrio, Tristia, eine Eigenbearbeitung eines Teils seiner Tondichtung Vallée d´Obermann, auf Ovid.
Felix Mendelssohn-Bartholdy, der Meritis der Davidsbündler Schumanns, zur gleichen Zeit in Leipzig schaffend und konzertierend, wird von Robert Schumann als „der Mozart ihrer Zeit“ verehrt. Sein kompositorisches Schaffen wird aufmerksam von Schumann verfolgt und häufig rezensiert.
Um das Werk und Erbe Franz Schuberts hat sich Robert Schumann bemüht und in besonderer Weise verdient gemacht. Neben der Fortentwicklung Schubert´scher Ideen – unter anderem in der Liedkomposition und im Ausbau der Sonatenform – hat er nach bisher unentdeckten Manuskripten gesucht, auf Reisen nach Wien zum Bruder Franz Schuberts einige bedeutende Werke entdeckt, mitgebracht und für ihre Veröffentlichung gesorgt.

Prof. Dr. Hans-Joachim Köhler vom Robert-und-Clara-Schumann-Verein Leipzig begleitet das Projekt musikwissenschaftlich in Vorträgen und schriftlicher Dokumentation.

Die Werke werden in vier Konzertprogrammen vorgestellt:


Konzert 1 : Franz Schubert Klaviertrio B-Dur op.99 – D 898

                   Robert Schumann Erstes Trio d-Moll op. 63


Konzert 2 : Robert Schumann Zweites Trio F-Dur op. 80

                   Johannes Brahms Klaviertrio H-Dur op. 8 (Urfassung)

Konzert 3 : Felix Mendelssohn-Bartholdy Klaviertrio Nr.1 d-Moll op. 49

                   Franz Liszt Tristia (La vallée d´Obermann)

                   Robert Schumann Drittes Trio g-Moll op. 110

Konzert 4 : Clara Schumann Klaviertrio g-Moll op.17

                   Robert Schumann Fantasiestücke a-Moll op. 88

                  Johannes Brahms Klaviertrio C-Dur op. 87