Entstehung und Blüte der tschechischen Romantik
In den
Konzertprogrammen von vier Abenden möchte das Hyperion-Trio die Kammermusik
der tschechischen Romantik am Beispiel von Werken für Klaviertrio vorstellen.
Ausgehend von Komponisten der vorromantischen Zeit - Antonín Rejcha,
Johann Nepomuk Hummel und Josef Jelínek -, die dem Stil der Wiener Klassik
wesentliche Impulse gaben, stehen im Zentrum der Programme Werke der herausragenden
romantischen Komponisten Bedřich Smetana und Antonín Dvořák. Bedřich
Smetana gilt als der Begründer der tschechisch-nationalen Kunstmusik. Antonín
Dvořák führt den von Bedřich Smetana eingeschlagenen Weg fort und
findet mit seinen Werken international größte Beachtung.
Ihre sehr kunstvollen Kompositionen sind durchdrungen von Elementen der Volksmusik
- melodisch, rhythmisch, formal und thematisch -, zugleich stehen sie in Verbindung
mit den Komponisten der deutschen Romantik. Die Besinnung auf das tschechische
Kulturgut - auf die tschechische Sprache, Geschichte, Volkslieder, Tänze
und Mythen - entsprach sowohl dem Erstarken des tschechischen Nationalbewußtseins
zu Beginn des 19.Jahrhunderts als auch dem Gedankengut der europäischen
Romantik.
Zur Zeit der Klassik standen die böhmischen Komponisten in enger Verbindung mit den führenden Meistern der Wiener Klassik. Josef Jelínek war mit Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart befreundet, Johann Nepomuk Hummel war Schüler von Wolfgang Amadeus Mozart, Antonín Rejcha erhielt kompositorische Impulse von Ludwig van Beethoven.
Die Auseinandersetzung von Bedřich Smetana und Antonín Dvořák mit den unterschiedlichen Strömungen der deutschen und französischen romantischen Musik hat auf verschiedene Art stattgefunden. Beide haben sich für die Verbreitung von zeitgenössischen Werken als Interpreten eingesetzt. Während sich Smetana zu den Neutönern wie Franz Liszt, Hector Berlioz und Richard Wagner hingezogen fühlte, sind wechselseitige Einflüsse zwischen Antonín Dvořák und Johannes Brahms, seinem Freund und Förderer, in ihrer Musik sehr gut zu erkennen.
Antonín Dvořák hat als Lehrer die nachfolgende Komponistengeneration geprägt: Josef Suk, Schwiegersohn Dvořáks, bleibt der spätromantischen Tradition verhaftet. Vítezslav Novák hat Form und Harmonik wesentlich weiterentwickelt und wurde damit zum Wegbereiter der modernen tschechischen Musik. Rubin Goldmark hat mit seinem Klaviertrio die Studien als Schüler Antonín Dvořáks in Amerika abgeschlossen und hat sich einen Namen als Lehrer von George Gershwin und Aaron Copland gemacht.
1. Konzert:
Johann Nepomuk Hummel: Klaviertrio Es-Dur
op. 12
(1778-1837)
Antonín
Dvořák: Dumky-Trio
op. 90
(1841-1904)
Johannes
Brahms: Klaviertrio
c-moll op. 101
(1833-1897)
2. Konzert:
Antonín Rejcha: Klaviertrio
op. 101
(1770-1836)
Vítezslav
Novák: Trio
quasi una ballata
(1870-1949)
Josef
Suk: Elegie
op. 23
(1875-1935)
Antonín
Dvořák: Klaviertrio
g-moll op.26
(1841-1904)
3. Konzert:
Josef Jelínek: Trio
Es-Dur op.10
(1758-1825)
Rubin
Goldmark: Trio
d-moll op.1
(1872-1936)
Antonín
Dvořák: Klaviertrio
f-moll op. 65
(1841-1904)
4. Konzert:
Wolfgang Amadeus Mozart: Divertimento B-Dur KV
254
(1756-1791)
Antonín
Dvořák: Klaviertrio
B-Dur op. 21
(1841-1904)
Bedřich
Smetana:
Klaviertrio g-moll op. 15
(1824-1884)
Hyperion-Trio
Hagen Schwarzrock,
Klavier
Oliver Kipp, Violine
Katharina Troe, Violoncello